Schlafmagazin

Gute-Nacht-Tüte? | Cannabis als Schlafmittel


28. November 2018

Der Konsum von Cannabis wirkt sich auf den menschlichen Schlaf aus. Wie genau, da ist sich die Wissenschaft noch uneins. Ist die Droge das Schlafmittel der Zukunft?

Inhaltsverzeichnis

  1. Bill kann nicht schlafen
  2. Der Joint als Schlafmittel?
    1. Menschen: Cannabis hilft und bedroht
    2. Cannabisbestandteile und Sorten: Wie wirkt das eigentlich?
    3. Schlafabschnitte: Cannabis und die drei Schlafphasen
    4. Studien: Schon seit Jahrzehnten wird geforscht
    5. Gesetze: Die Lage in Deutschland

Bill kann nicht schlafen

Bill war überrascht. „Ich erzählte einem Freund von meinen Schlafproblemen – er hatte zufällig etwas Marihuana. Ich muss sagen: Nach dem Konsum hatte ich den besten Schlaf seit Jahren.“

Cannabis, das hierzulande illegale Rauschmittel – ein ernstzunehmendes Schlafmittel? Schon vor 5000 Jahren begannen Menschen, Hanf medizinisch zu nutzen, etwa gegen Schmerzen. Doch die Frage, wie sich die Droge, die lustig macht und entspannt, auf den menschlichen Schlaf auswirkt, ist heute aktueller denn je. Bei unseren Nachbarn in den Niederlanden wird kein Kiffer bestraft, US-Bundesstaaten gehen bei der Legalisierung voran, und auch in Deutschland kam Anfang 2017 die Freigabe für Cannabis zur medizinischen Verwendung.

Zurück zu Bill. Bill ist 55 Jahre alt und schlägt sich schon seit seiner Jugend mit Schlafproblemen herum. In den letzten Jahrzehnten, sagt er, habe er alles ausprobiert, was es gebe. Trotzdem lag er weiter nachts wach, mit kreisenden Gedanken. „Bis heute konnte mir kein Doktor helfen.“

Schlafmittel, welche Mediziner ihm verschrieben, machten ihn wahlweise tagsüber schläfrig oder verwirrt. Er konnte sich auf der Arbeit nicht konzentrieren. Einmal gab er eine große Bestellung auf Amazon auf, an die er sich erst wieder entsinnen konnte, als der Paketbote klingelte. Ein Medikament verbesserte zwar seinen Schlaf, er begann jedoch derart laut zu schnarchen, dass ihn seine Frau auf die Couch verbannte. Ein Arzt stellte bei Bill Schlafapnoe fest.

Das Schnarchen kam also von nächtlichen Atempausen (Apnoe = griechisch für Windstille). Die Aussetzer wirken sich negativ auf die Schlafqualität aus, Folgen reichen laut „Apotheken Umschau“ von Müdigkeit und Konzentrationsschwäche am Tag bis zur Gefährdung der Gesundheit, etwa die Entwicklung eines Bluthochdrucks. Bill bekam eine Atemmaske, die aber auch zu keiner Besserung bewirkte. Der Verzweiflung nahe, legte er die Maske ab und wandte sich an seinen Kumpel.

Der Joint als Schlafmittel?

Dieser gab ihm einen Joint. Bill rauchte ihn und schlief wie ein Baby: „Der beste Schlaf seit Jahren.“ Die Wirkstoffe in der Droge helfen laut einer Studie auch gegen die Atempausen. Bei neun von zehn Probanden bewirkte Cannabiskonsum eine Reduzierung der Aussetzer um etwa ein Drittel, die Nebenwirkungen waren angeblich zu vernachlässigen.

Hilft Cannabis wirklich auch gegen Insomnie, Schlaflosigkeit, oder ist das ein Trugschluss? Ist die Droge Cannabis wirklich ein Wundermittel für einen besseren, erholsameren Schlaf ohne Katergefühl am Tag darauf? An diesen Fragen scheiden sich die Geister.

Verschiedene Menschen machten gegensätzliche Erfahrungen mit dem Cannabiskonsum vor dem Zubettgehen. Verschiedene Cannabisbestandteile und Sorten haben unterschiedliche Wirkungen. Verschiedene Schlafabschnitte werden unterschiedlich beeinflusst. Verschiedene Studien kommen zu gegensätzlichen Resultaten. So gut wie jedes Land hat eine eigenen Gesetzeslage für den Umgang mit der Droge. Doch der Reihe nach.

Menschen: Cannabis hilft und bedroht

Laut Arbeitsgemeinschaft für Cannabis als Medizin (International Association for Cannaboid Medicines, IACM) gibt es mehrere hundert Indikationen für die medizinische Verwendung des psychoaktiven Wirkstoffs der Hanfpflanze: Symptome wie Schmerzen, Übelkeit und Erbrechen, Appetitlosigkeit und Abmagerung, Spastik, auch bedingt durch Autoimmunerkrankungen wie Multiple Sklerose, Bewegungsstörungen wie das Tourette-Syndrom, Juckreiz, Epilepsie, Symptome infolge von Alkoholentzug, Asthma, Hyperaktivitätssyndrom, Morbus Alzheimer, Entzündungen und psychiatrische Symptome. Sogar die Beschwerden eines chronischen Schluckaufs, gegen welchen kein anderes Medikament geholfen hatte, verschwanden nach der Behandlung mit Cannabis völlig.

Auffällig ist, dass in der Liste der IACM Schlafstörungen nicht gesondert aufgeführt sind. In der Liste, die alle Symptome nennt, welche nachgewiesen mit Hanfwirkstoffen gelindert oder gar völlig bekämpft werden können, finden sich Schlafprobleme unter dem Stichpunkt „psychiatrische Symptome“. Unter diesem Punkt sind auch andere psychische Störungen und Krankheiten aufgeführt. Demnach wird einem bestimmt Hanf-Bestandteil eine stimmungsaufhellende Wirkung zugeschrieben. Für Freizeitkiffer berauschend. In der Literatur werden laut IACM psychiatrische Erkrankungen wie Angststörungen, bipolare Störungen, schizophrene Psychosen und Depressionen als mit Cannabis behandelbar genannt.

Ohne hierbei weiter ins Detail zu gehen: Die Droge steht in Deutschland nicht ohne Grund unter strenger Beobachtung. Sie kann nämlich auch Psychosen und paranoide Angstzustände auslösen, bei jahrelangem Konsum gar die Wahrscheinlichkeit einer Schizophrenie erhöhen. Die gängige Argumentation, etwa von CDU-Politikerin Marlene Mortler, der Drogenbeauftragten der Bundesregierung, lautet: Eine Legalisierung der Droge wäre angesichts der negativen Folgen des Konsums ein völlig falsches Signal. Vor allem an die Jugend, die wegen des traditionell einfachen Zugangs zu Alkohol bereits genug Rauschmittelprobleme habe. Aber: Todesfälle, wie bei Trinkern häufig, sind bei Cannabis nicht beschrieben.

Die Mühlen von Bürokratie und Gesetzgebung mahlen sehr langsam. Menschen, die im Dunkel der Nacht unter Schlaflosigkeit leiden, benötigen jedoch schnelle Hilfe, um tagsüber ihr komplettes Leistungspotenzial wieder entfalten zu können.

Widersprüchliche Studienergebnisse

Cannabis führt zu signifikanten Verbesserungen des Schlafes. Zu diesem Ergebnis kam zumindest eine Studie mit mehr als 400 Teilnehmern über die „Effektivität der puren, natürlichen medizinischen Cannabispflanze in der Behandlung von Insomnie (Schlaflosigkeit) unter natürlichen Bedingungen“. Am Institut für Psychologie der Universität von Neumexiko in Albuquerque (USA) wurden die Teilnehmer nach mehr als 1000 Sitzungen einer Einnahme von medizinischem Cannabis gefragt: Hat sich die selbst wahrgenommene Schwere der Schlaflosigkeit verändert? Ergebnis: Eine durchschnittliche Reduzierung der Symptomschwere um 4,5 Punkte auf einer Skala von 0 bis 10.

Einige wissenschaftliche Studien bescheinigen dem Hanf zwar eine eindeutige schlaffördernde Wirkung. Doch wie in der Abhandlung zweier US-amerikanischer Forscher aus dem Jahre 1973 über Cannabis als Schlafmittel raten sie von einer solchen Verwendung ab, da die Nebenwirkungen – Rauschzustand mit Verwirrtheit und Stimmungsschwankungen – diese ausschließe.

Wieder andere Studien machen Cannabis sogar für eine Verminderung der Schlafqualität verantwortlich. Diese äußere sich etwa dadurch, dass Patienten sich morgens benommen, müde, erschöpft oder gar verkatert fühlen. Ein amerikanisches Forscherteam untersuchte die Schlafphasen einer Gruppe von knapp 100 Probanden, alle davon etwas älter als 20 Jahre: Rund die Hälfte davon kifften täglich, ein Drittel regelmäßig, der Rest nie. Bei vier von zehn Gewohnheitskiffern (täglicher Konsum) stellten die Wissenschaftler klinisch relevante Schlafstörungen fest. Bei den Abstinenten lediglich bei jedem Fünften. Zudem waren Schlafunterbrechungen bei Kiffern häufiger. Die Abhandlung verweist auf frühere Studien, die die psychoaktive Droge als Auslöser für Angstgefühle ausgemacht hatten (Quelle: WELT).

Und tatsächlich: Manche Konsumenten werden von Cannabis ängstlich und unruhig. Wenn sie „high“ sind, müssen sie darum kämpfen, endlich einzuschlafen. Bill hat die Droge nur einmal ausprobiert und kann über die Langzeitauswirkungen noch keine Aussage treffen.

Die Dame mit dem Cannabis-VLOG

Dass er sich Sorgen völlig macht, beweist diese Tatsache: Nach dem ersten Konsum wandte er sich an Dr. Rachna Patel, eine medizinische Marihuana-Expertin aus Kalifornien. Diese betreibt einen YouTube-Kanal, auf dem sie über die Vorzüge von medizinischem Cannabis aufklärt. In ihrem Disclaimer schreibt sie: Die Informationen in diesem Video (auch auf ihrer Webseite) seien nur für Bildungszwecke und nicht von der Food and Drug Administration (FDA) geprüft. „Individuelle Auswirkungen können variieren.“

Ohnehin ersetze das bloße Anschauen und Informieren keine therapeutische Beziehung zwischen Schlafpatient und Psychologen. Oftmals liegen die Gründe für Schlafprobleme in anderen Erkrankungen, wie Depressionen. Gedankenkreisen und Grübeln als deren Symptome können bei Betroffenen zu einer Endlosschleife führen: Tagsüber leidet darunter die Konzentration, nachts dann die Fähigkeit, ein- und durchzuschlafen. In einer kognitiven Verhaltenstherapie etwa können solche Ursachen angegangen werden – und somit zu einer nachhaltigen Verbesserung führen.

Cannabisbestandteile und Sorten: Wie wirkt das eigentlich?

Es konnten inzwischen an die 500 Bestandteile in der Hanfpflanze identifiziert werden. Da gibt es die Terpene (Hauptbestandteile ätherischer Öle), Flavonoide (Blütenfarbstoffe) und etwa 70 Phytocannabinoide, alle mehr oder weniger gut erforscht. Für die berauschende Wirkung auf den Menschen, etwa beim Kiffen, ist das psychoaktive Tetrahydrocannabinol (THC) zuständig. Cannabidiol (CBD) dagegen ist nicht psychoaktiv und gilt daher als effektive und gut verträgliche Komponente der Hanfpflanze. Es ist für die Medizin interessant, weil es antientzündliche, antiepileptische und antischizophrene Eigenschaften hat – frei von dämpfenden Nebenwirkungen (Quelle: cbd-vital.de).

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Links Tetrahydrocannabinol (THC) und rechts Cannabidiol (CBD)

Auch für den Schlaf kann CBD wertvoll sein. Laut einer Studie am Berkeley-Institut für menschliche Entwicklung der Universität von Kalifornien bevorzugen Menschen, die ihre Schlafschwierigkeiten mit Cannabis behandeln, Cannabissorten mit einem hohen CBD-Gehalt. Demnach bestehe eine Beziehung zwischen den Schlaf-Charakteristika und der verwendeten Hanfsorte. Zudem linderte die Droge bei jedem fünften Teilnehmer Albträume. Diese Wirkung kann vor allem für Menschen mit einer posttraumatischen Belastungsstörung interessant sein. Forscher von der Universität in Neumexiko, Albuquerque (USA) fanden heraus, dass CBD bei Menschen mit einer spezifizierten Schlafstörung die Symptome besser lindert als THC.

Indica oder Sativa?

Bei Cannabis unterscheidet man zwischen zwei Typen: Cannabis sativa und Cannabis indica. Diese Unterscheidung geht auf Jean-Baptiste Lamarck zurück, der im Jahr 1785 herausfand, dass Cannabis indica eine stärkere Harzproduktion aufweist und ein größeres medizinisches Potenzial besitzt als Blüten des Typs Sativa. Der Name „Indica“ geht auf das lateinische Wort für Indien zurück. Dort stieß man zum ersten Mal auf Indica-Sorten. Heute haben diese ihren Ursprung in der Gebirgsregion des Hindukusch und in Ländern mit wüstenähnlichen Klimazonen wie Afghanistan oder Pakistan, in denen es sehr heiß und trocken ist. Sativas dagegen wachsen in tropischen Zonen, in denen es warm und feucht ist: Thailand, Kambodscha oder Kolumbien.

Die beiden Sorten unterscheiden sich auch in ihrer Wirkungsweise. Konsumiert man Sativa-Sorten, erlebt man ein „High“, welches laut dem Hanfsamen-Onlineshop zativo.de „erhebend, energetisch, fokussiert und kreativ“ macht. Im Gegensatz dazu wirken Indica-Sorten eher entspannend und führen nicht selten zum berühmten „Couchlock“. Genau aus diesem Grund wird den Blüten des Typs Indica auch eine bessere schlaffördernde Wirkung zugeschrieben. Die Studie an der Universität Neumexiko ergab, dass Indicas in der Behandlung von Schlafstörungen deutlich seltener mit negativen Nebenwirkungen verbunden sind als Sativas.

Schlafabschnitte: Cannabis und die drei Schlafphasen

Während man schläft, verarbeitet das menschliche Gehirn alles, was es den Tag über erlebt und gelernt hat. Neue Lernerfahrungen werden im Schlaf unbewusst noch einmal wiederholt, sortiert, geordnet und anschließend im Langzeitgedächtnis gespeichert. Auch der Körper regeneriert sich im Schlaf. Schlafmangel und Schlafstörungen schwächen das Immunsystem und können zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder psychischen Problemen wie Depressionen und Angststörungen führen. Ein gesunder Schlaf ist gekennzeichnet durch eine ungestörte Abfolge der verschiedenen Schlafstadien, in denen sich der Schlafende körperlich und geistig erholt.

Die drei Stadien des menschlichen Schlafes

Es wird zwischen drei verschiedenen Schlafstadien unterschieden, die sich im Laufe der Nacht in mehreren Zyklen wiederholen. Unmittelbar nach dem Einschlafen beginnt die Leichtschlafphase, auch oberflächlicher Schlaf genannt. Hier entspannen sich die Muskeln und die Übergangsphase zu den erholsameren Schlafphasen beginnt.

Auf eine Leichtschlafphase folgt die Phase des mitteltiefen Schlafes. In dieser Tiefschlafphase ist der Schlafende schwer aufzuwecken. Sie wird auch als Non-REM-Phase (REM = Rapid Eye Movement) bezeichnet, da in diesem Stadium kaum Augenbewegungen stattfinden. Der Körper schaltet sozusagen auf „Standby“: Temperatur und Blutdruck sinken, Atemfrequenz und Herzschlag sind deutlich verringert. Es folgt wieder eine Phase des leichteren Schlafs.

Anschließend fällt man in die sogenannte Traumschlafphase, den REM-Schlaf. Dieser ist durch schnelle Augenbewegungen unter den Lidern gekennzeichnet. Das Nervensystem ist jetzt besonders aktiv, gleichzeitig erschlaffen sämtliche Muskeln. Obwohl der Schlafende nun häufig träumt, ist er trotzdem leicht aufzuwecken.

Die Abfolge dieser Schlafphasen wiederholt sich während des Schlafes immer wieder, verändert ihren Charakter aber im Laufe der Nacht. In der ersten Nachthälfte überwiegt der Tiefschlaf, in der zweiten Nachthälfte und den frühen Morgenstunden der REM-Schlaf (Quelle: somnishop.com).

Gras macht die Augen schlaff

Mehrere Untersuchungen haben gezeigt, dass die Wirkstoffe der Hanfpflanze die verschiedenen Schlafstadien unterschiedlich beeinflussen. Der wichtigste Effekt betrifft hierbei die REM-Schlafphase: Cannabis verringert die Augenaktivität stark und verkürzt somit den REM-Schlaf. Das ist auch der Grund dafür, dass Kiffer weniger träumen. Oft beschrieben ist zudem der sogenannte „REM-Rebound“: Legen gewohnheitsmäßige Kiffer nach einer längeren Zeit des Konsums eine Pause ein, erleben sie plötzlich deutlich mehr und vor allem deutlich intensivere Träume. Da die REM-Schlafphase wichtig für die körperliche Erholung ist, fühlen sich viele Kiffer am Tag darauf weniger erholt und frisch.

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Studien: Schon seit Jahrzehnten wird geforscht

Informiert man sich im Internet über die Auswirkungen von Marihuana auf den menschlichen Schlaf, könnte man selbst schläfrig werden. Egal ob pro oder contra, gefühlt jeder Artikel schließt mit der Feststellung, dass Untersuchungen gezeigt hätten: Die Droge wirkt sich auf den Schlaf des Menschen aus – positiv oder negativ. Aber: Es sind weitere Forschungen vonnöten, um eine fundierte Antwort über die Wirkungsweise zu geben. Hat er diese Worte zehnmal gelesen, beginnt auch der interessierte Leser zu gähnen.

Doch bemerkenswert ist: Die Studienlage ist schon deutlich besser, als man vielleicht vermutet. Es gibt zahlreiche Studien, die sich intensiv mit dem Thema Cannabis und Schlaf auseinandergesetzt haben. Bereits im Jahr 1973 untersuchten zwei Kliniken in Boston und Kalifornien die Wirkung von THC auf körperlich gesunde Patienten mit Schlafproblemen.

Die Resultate ließen aufhorchen: Cannabinoide reduzierten nicht nur die Einschlafzeit, sondern erhöhten zudem die gesamte Schlafzeit der Patienten. Auch wachten die Probanden nachts seltener auf. Doch ungeachtet dieser Vorteile rieten die Autoren der Studie von THC als Schlafmittel ab: Die Nebenwirkungen – Verwirrtheit und Stimmungsschwankungen vor dem Zubettgehen, bei höherer Dosierung sogar ein „High-Gefühl“ am Tag darauf – seien einfach zu stark. Gesetze: Die Lage in Deutschland

Gesetze: Die Lage in Deutschland

In einigen US-Bundesstaaten wurde Cannabis in den letzten Jahren zu Genusszwecken freigegeben, etwa in Colorado und Kalifornien. Auch in den Niederlanden kann man in den Coffeeshops Marihuana kaufen.

Hierzulande ist Cannabis zu Genusszwecken verboten. Seit 1983 kann jedoch Nabilon, ein synthetischer THC-Abkömmling, verschrieben werden. Nabilon hat sich besonders in der Behandlung von chronischen Schlafstörungen als wirksam erwiesen. Seit 1998 dürfen Ärzte auch Dronabinol, also THC, welches mithilfe eines speziellen Verfahrens aus dem Hanfpflanzenextrakt gewonnen wird, verschreiben. Allerdings benötigten Patienten eine Sondergenehmigung des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) für eine medizinisch betreute Selbsttherapie. Auch die Kosten mussten sie selbst tragen.

Anfang 2017 wurde Cannabis dann zu medizinischen Zwecken freigegeben. Seitdem dürfen Patienten – vor allem Schmerzpatienten, bei denen sich alle anderen Behandlungsmethoden als unwirksam herausgestellt haben – Cannabis verschrieben bekommen. Und zwar nicht wie zuvor nur in Pillenform, sondern ganz natürlich als Blüten oder Extrakt. Die Kosten werden nach der Gesetzesänderung von der Krankenkasse übernommen.

Es bleibt abzuwarten, ob Cannabis sich auch als Schlafmittel durchsetzen wird. Dass seine Wirkstoffe den menschlichen Schlaf positiv beeinflussen können, steht jedoch außer Frage.

Fragen und Fakten zum Thema Cannabis und Schlaf

Hierbei widersprechen sich die Forschungsergebnisse. Viele Studien kamen zu dem Ergebnis, dass der Konsum von Cannabis bei Patienten mit Schlafstörungen die Einschlafzeit verkürzt, die gesamte Schlafdauer erhöht und sich insgesamt positiv auf die Schlafqualität auswirkt. Allerdings zeigten andere Forschungsarbeiten, dass Cannabis die REM-Schlafphase verkürzt. Da diese wichtig für die körperliche Erholung ist, fühlen sich Konsumenten am nächsten Tag weniger erholt. Auch träumen sie weniger. Wieder andere Studienergebnisse legten gar nahe, dass Cannabis Schlafstörungen hervorrufe.
Die zwei wichtigsten Bestandteile der Hanfpflanze sind Tetrahydrocannabinol (THC) und Cannabidiol (CBD). THC hat eine psychoaktive Wirkung und ist für die berauschende Wirkung der Droge verantwortlich. CBD dagegen ist nicht psychoaktiv und gilt daher als effektive und gut verträgliche Komponente. Es hat antientzündliche, antiepileptische und antischizophrene Eigenschaften und kann wohl auch für den Schlaf wertvoll sein.
Bei Cannabis unterscheidet man zwischen zwei Typen: Cannabis sativa und Cannabis indica. Die beiden Sorten unterscheiden sich in ihrer Wirkungsweise. Konsumiert man Sativa-Sorten, erlebt man ein „High“, welches energetisch, fokussiert und kreativ macht. Indica-Sorten wirken eher entspannend. Deshalb wird den Blüten des Typs Indica eine bessere schlaffördernde Wirkung zugeschrieben. Eine Studie kam zu dem Ergebnis, dass Indicas in der Behandlung von Schlafstörungen deutlich seltener mit negativen Nebenwirkungen verbunden sind als Sativas.
Auf diese Frage gibt es keine eindeutige Antwort. Cannabis wirkt sich einigen Studien zufolge positiv auf die Schlafqualität aus. Doch die Droge hat auf verschiedene Menschen ganz unterschiedliche Auswirkungen: Manche Menschen fühlen sich entspannt und können besser einschlafen. Andere werden ängstlich und unruhig. Wenn sie „high“ sind, müssen sie darum kämpfen, endlich einzuschlafen. Einige Forscher schlossen Cannabis als Schlafmittel wegen seiner Nebenwirkungen aus. Akute Nebenwirkungen können sich in Verwirrtheit und Stimmungsschwankungen äußern, bei höherer Dosierung sogar als „High-Gefühl“ am Tag darauf. Langzeitfolgen reichen von Konzentrationsschwächen über geminderte Motivation bis hin zu der Entwicklung psychischer Störungen wie Depressionen und Psychosen.
Studien belegen, dass Cannabis die REM-Schlafphase verkürzt. In diesem Schlafstadium träumen wir. Die Aktivität unserer ist Augen hoch – daher der Name „Rapid Eye Movement“, kurz REM. Weil diese für die körperliche Erholung sehr bedeutsame Phase unter Einfluss von Cannabis kürzer ist, träumen Konsumenten weniger. Kiffer, die nach langem und regelmäßigem Konsum eine Pause einlegen, berichten von deutlich intensiveren Träumen. Dieses Phänomen wird als REM-Rebound bezeichnet, da die Traumphasen plötzlich wieder länger sind.
Während der Großteil der Studien Cannabis eine schlaffördernde Wirkung zuschreibt, gibt es auch vereinzelt gegensätzliche Ergebnisse. Eine Forschungsarbeit untersuchte die Schlafphasen einer Gruppe von Gewohnheitskiffern und Probanden, die nicht konsumierten. Resultat: Bei Konsumenten wurden häufiger klinisch relevante Schlafstörungen festgestellt als bei Nicht-Konsumenten. Zudem waren Schlafunterbrechungen bei Kiffern häufiger.
Menschen, die anfällig für psychische Störungen sind, sollten die Finger von Cannabis lassen. Im Zweifel hätte die Droge bei ihnen sowieso keine schlaffördernde Wirkung, sondern würde sie nur noch unruhiger und ängstlicher machen.
Obwohl die Auswirkungen von Cannabis auf den menschlichen Schlaf bereits seit mehreren Jahrzehnten erforscht werden, ist die Wissenschaft noch nicht weit genug, um eine allgemeingültige Antwort auf die Frage zu geben, ob Cannabis als Schlafmittel geeignet ist oder nicht. Verschiedene Studienergebnisse widersprechen sich, es ist noch weitere Forschung nötig.
Laut Arbeitsgemeinschaft für Cannabis als Medizin (International Association for Cannaboid Medicines, IACM) gibt es mehrere hundert Indikationen für die medizinische Verwendung des psychoaktiven Wirkstoffs der Hanfpflanze: Symptome wie Schmerzen, Übelkeit und Erbrechen, Appetitlosigkeit und Abmagerung, Spastik, auch bedingt durch Autoimmunerkrankungen wie Multiple Sklerose, Bewegungsstörungen wie das Tourette-Syndrom, Juckreiz, Epilepsie, Symptome infolge von Alkoholentzug, Asthma, Hyperaktivitätssyndrom, Morbus Alzheimer, Entzündungen und psychiatrische Symptome.
In Deutschland ist Cannabis zu Genusszwecken verboten. Seit 1983 kann jedoch Nabilon, ein synthetischer THC-Abkömmling, verschrieben werden. Seit 1998 dürfen Ärzte auch Dronabinol, also THC, welches mithilfe eines speziellen Verfahrens aus dem Hanfpflanzenextrakt gewonnen wird, verschreiben. Zunächst benötigten Patienten eine Sondergenehmigung des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) für eine medizinisch betreute Selbsttherapie und mussten die Kosten selbst tragen. Anfang 2017 wurde Cannabis dann zu medizinischen Zwecken freigegeben. Vor allem Schmerzpatienten werden behandelt.