Schlafmagazin

Die Traumdeutung


1. April 2019

Wenn wir schlafen, dann träumen wir. Manche Träume verängstigen uns, an andere Träume können wir uns nach dem Aufwachen nicht mehr erinnern und aus einigen Träumen möchte wir erst gar nicht erwachen. In Träumen überschreiten wir jegliche Grenzen und Gesetzmäßigkeiten unserer wachen Welt. Träume sind vielfältig und bunt. Doch was bedeuten unsere Träume? Mit dieser Frage beschäftigt sich die Traumdeutung und untersucht die symbolische Botschaft, die in unseren Träumen verborgen liegt.

  1. Während wir schlafen...
  2. Die Geschichte der Traumdeutung
  3. Traumdeutung
    1. Sigmund Freud
    2. C. G. Jung
    3. Erich Fromm
  4. Fragen und Fakten

Während wir schlafen...

Während wir schlafen, so Schlafforscher Dr. med. Günther W. Amann-Jensson, regeneriert sich unser Organismus. Emotionaler Stress kann in den Traumphasen verarbeitet werden und Körper und Geist können sich erholen. Unser Akku wird, während wir schlafen, sozusagen aufgeladen. Anders als im wachen Zustand, richtet sich unser Bewusstsein im Schlaf nicht mehr nach den Prinzipien Wahrnehmung, Reaktion und Anpassung. Äußere Reize, wie wir sie in unserer sinnlich wahrnehmbaren Realität ausgesetzt sind, sind im Schlaf-bzw. im Traumzustand nicht länger von Bedeutung. Träume sind Ausdruck reinster Subjektivität, in denen der Träumende die einzig maßgebende Instanz ist. (Quelle: Aniela Jaffé; Erinnerungen, Träume, Gedanken von C.G.Jung)

Die Geschichte der Traumdeutung

Träume sind der Ausdruck jeder geistigen Tätigkeit im Zustand des Schlafes. (Aristoteles)

Der Begriff Oneiromantie stammt aus dem Griechischen und beschreibt die Traumdeutung zum Zwecke der Weissagungen. Bereits in der griechischen Antike beschäftigten sich die Menschen mit Träumen und deren Bedeutung. Unter ihnen bedeutsame Philosophen wie Aristoteles und Platon. Der wichtigste Vertreter war Artemidor von Daldis, dessen Traumbuch Oneirokritika das wichtigste Werk der antiken Traumdeutung darstellt.

Die alten Philosophen verstanden Träume damals als eine Art Tor in die Zukunft. In ihnen sahen sie göttliche Botschaften, die Answeisungen oder Einblick in zukünftige Ereignisse gaben. Mit Oneirokritika versuchte der Traumdeuter und Wahrsager Artemidor von Daldis die wirren Traumbilder und Symbole zu entschlüsseln und sie hinsichtlich ihrer Bedeutung zu kategorisieren. (Quelle: Wissenschaft.de)

Traumdeutung

Sigmund Freud

Sigmund Freud gilt als der Begründer der Psychoanalyse und der modernen Traumdeutung. Der Österreicher ist im Jahre 1856 geboren und verstarb 1939 im Exil. Anders als in der Antike, verstand er die Träume weniger als ein Tor in die Zukunft, sondern als eines in das Unterbewusstsein des Träumenden. Er analysierte die Träume seiner Patienten, um daraus Schlüsse über die Struktur der menschlichen Psyche ziehen zu können. Aus diesen Untersuchungen entwickelte er das dreiteilige Modell der Psyche, auch 3-Instanzen-Modell genannt. Nach diesem Modell wird die Psyche des Menschen in drei Instanzen geteilt: Das Ich, das Über-Ich und das sogenannte Es.

Dem Es kommt eine besonders große Bedeutung zu, da dieses, laut Freud, die vornehmliche Quelle jeglichen menschlichen Handelns und Erlebens darstellt. Es ist der unterbewusste Teil der menschlichen Psyche. Dieser Teil unterliegt dem Triebhaften (z.B. Sexualtrieb oder Hunger) und beeinflusst den bewussten Teil der menschlichen Psyche hinsichtlich Stimulation dieser Triebe.

Das sogenannte Ich stellt im Freudschen Modell den überwiegend bewussten Teil der menschlichen Psyche dar. Er ist für das vernünftige und selbstkritische Denken und Handeln zuständig. Wenn es um die Stimulation der Triebe geht, fungiert das Ich als Vermittler zwischen dem Es und dem Über-Ich. Das Über-Ich ist der Teil, in dem das Gewissen und die Moral sitzen. Es richtet sich nach sozialen Werten und Normen. (Quelle: Ernst Aeppli; Der Traum und seine Deutung)

Der Träumende und seine Traumwelt sind seit der Antike Gegenstand der Traumdeutung

Das Studium des Traumes dürfen wir als den zuverlässigsten Weg zur Erforschung der seelischen Tiefenvorgänge betrachten. (Sigmund Freud)

Freud war der Erste seines Faches, der Träume als die individuelle Abbildung seelischen Geschehens interpretierte. Laut ihm offenbaren sich im Traum die tiefsten, inneren Wünsche des menschlichen Unterbewusstseins (Es). All jene Erfahrungen und Erlebnisse, die im Unterbewusstsein verdrängt und verborgen liegen, manifestieren sich in der Traumwelt auf verschlüsselte Art und Weise als Symbole. Die tiefenpsychologische Traumdeutung war Freuds Instrument zur Bewusstmachung des Unterbewussten, zur Selbsterkenntnis und somit zur Heilung psychologischer Erkrankungen. Sie und die freien Assoziationen seiner Patienten bezüglich ihrer Träume waren das Fundament seiner therapeutischen Arbeit. Sein Werk „Traumdeutung“ erschien im Jahre 1899. (Quelle: Ernst Aeppli; Der Traum und seine Deutung)

C. G. Jung

Der schweizer Psychiater Carl Gustav Jung (kurz: C. G. Jung) wurde 1875 geboren und starb 1961. Er war ein Wegbegleiter Freuds und gilt als der Begründer der analytischen Psychologie. Jung erweiterte das Freudsche Modell der menschlichen Psyche mit dem Konzept des Kollektiven Unterbewusstseins, bzw. der Lehre über die Archetypen. Motive und Ideen aus Mythen und Träumen waren für das Verständnis über dieses kollektive Unterbewusstsein für Jungs Arbeit von großer Bedeutung. Jung war überzeugt davon, dass der Mensch mehr ist als die Summe seiner abgespeicherten Erfahrungen.

Das Kollektive Unterbewusstsein ist eine überpersönliche Ebene des Unterbewusstseins und gleichzeitig die Basis der menschlichen Psyche. Laut Jung gibt es psychologische Muster und instinktive Verhaltensarten, die alle Menschen, unabhängig von Ort und Zeit, gemein haben und die unwillkürlich auf das Bewusstsein einwirken (Archetypen). (Quelle: Aniela Jaffé; Erinnerungen, Träume, Gedanken von C.G.Jung)

Die Traumdeutung war ebenso Kern der Jungschen Psychoanalyse. Ähnlich wie Freud, sah Jung die Traumwelt als eine Möglichkeit in das Unterbewusste, das Verborgene der menschlichen Psyche zu blicken. Anders als Freud, sah er den Traum jedoch nicht nur als Abbildung unterdrückter und verborgener Triebwünsche. Viel mehr war der Traum für Jung auch ein Einblick in das überpersönliche, kollektive Unterbewusstsein. Somit stellte der Traum in seinem Sinne eine ganzheitliche Abbildung der individuellen Psyche im Zusammenspiel mit dem kollektiven Unterbewusstsein dar.

Die menschliche Psyche funktioniert, nach Jung, nicht allein im eigenen persönlichen und individuellen Kontext, sondern auch immer in Verbindung mit dem Wesen der Menschheit. Es geht um die individuelle Bedeutung der Traumbilder und Symbole. Demnach gibt es, nach Jung, keine allgemeingültige Systematik, nach der jeder Traum auf die gleiche Art und Weise zu deuten ist. (Quelle: Ernst Aeppli; Der Traum und seine Deutung)

Im Schlaf erschaffen wir eine Traumwelt, die die Grenzen unserer wachen Welt überschreitet

Erich Fromm

Erich Fromm, der zwischen 1900 und 1980 lebte, war Psychoanalytiker und Sozialpsychologe. Wie schon Freud und Jung zuvor, beschäftigte auch er sich mit dem Traum und seine Bedeutung für den Menschen. Fromm sah den Traum und das Traumgeschehen vor allem als schöpferischen und kreativen Prozess, bei dem der Träumende eine Welt erschafft, die die Grenzen der wachen Welt in Wort und Bild überschreitet. Der Traum wiedersetzt sich der physikalischen Dimension von Raum und Zeit und ist Ausdruck einer universellen Sprache.

Der Schlaf, so Fromm, ist die einzige Zeit, in der der Mensch tatsächlich frei ist und keinem äußerlichen Zweck dient. (Quelle: Alfred Lévy; Erich Fromm: Humanist zwischen Tradition und Utopie)

Fragen und Fakten

Ja. An manche Träume magst du dich vielleicht nicht mehr erinnern und somit vermuten, dass du nicht geträumt hast - aber fest steht: Wenn wir schlafen, dann träumen wir auch.
Die Phase, in der unsere Träume am intensivsten sind, ist die REM-Phase. Die REM-Phasen (Rapid Eye Movement dt. schnelle Augenbewegung), die auch als Traumphasen bezeichnet werden, machen etwa 20-25% unserer Schlafzeit aus. In dieser Phase kommt es zu einer erhöhten Gehirnaktivität, während die Muskulatur sich überwiegend entspannt.
In sogenannten Luziden Träumen , auch Klarträume oder Wachträume genannt, ist eine Steuerung der Träume möglich. Bei dieser Art von Träumen, ist man sich über den Traumzustand bewusst und kann diesen somit beeinflussen.
Ein Traum dauert in der Regel 15-20 Minuten. Obwohl unsere Traumwelt oft vollgepackt ist mit abenteuerlichen und fantastischen Bildern und Szenarien, die uns vorkommen wie ein dreiteiliges Epos von Peter Jackson, ist die tatsächliche Dauer unserer Träume nicht sehr lang.

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