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Überdosierung von Melatonin: Völlig harmlos oder gefährlich?


28. November 2018

Mittlerweile kommt Melatonin in verschieden hohen Dosen in frei erhältlichen Nahrungsergänzungsmitteln vor. Das natürlich im Körper vorkommende Hormon wird zur Besserung von Einschlafstörungen und Jetlag, als Medizin zur Behandlung von Depressionen und als vielversprechender Stoff in der zukünftigen Behandlung von verschiedenen Krankheiten gehandelt – Melatonin scheint ein echtes Wundermittel zu sein! Doch, wie hoch ist die richtige Dosis und was wären die Auswirkungen einer Überdosierung?

Inhaltsverzeichnis

  1. Wirkungsweise und Anwendungsgebiete von Melatonin
  2. Die richtige Dosis Melatonin
    1. Melatonin in Nahrungsergänzungsmitteln
    2. Melatonin in Pharmaka
    3. Pharmakokinetik von Melatonin
  3. Wechselwirkungen und Nebenwirkungen von Melatonin
    1. Wechselwirkungen von Melatonin
    2. Nebenwirkungen von Melatonin
  4. Überdosierung von Melatonin
  5. Dosis
  6. Symptome
  7. Ist Melatonin also gefährlich?
  8. Fragen und Fakts zur Überdosierung von Melatonin

Wirkungsweise und Anwendungsgebiete von Melatonin

Melatonin ist ein von der Zirbeldrüse (Glandula pinealis) im Gehirn bei Dunkelheit produziertes Hormon (oder Neurotransmitter), welches den sogenannten Tag-Nacht-Rhythmus (Zirkadianer-Rhythmus) steuert. Licht hemmt die Produktion, so dass Melatonin maßgeblich an der Regulation unseres Biorhythmus und somit unseres Schlafes beteiligt ist. Verschiedene Nahrungsergänzungsmittel (Drinks, Kapseln etc.) mit Melatonin sind mittlerweile erhältlich und kommen in der Behandlung von Einschlafstörungen und Jetlag zum Einsatz. Dabei wird die Einnahme kurz vor dem Zubettgehen empfohlen, damit Melatonin seine natürliche Wirkung entfaltet, somit die Einschlafzeit verkürzt und für einen gesunden Biorhythmus sorgt. In der Medizin wird Melatonin in der kurzfristigen Behandlung von Insomnien eingesetzt und Melatonin-Analoga finden Anwendung in der Behandlung von Depressionen. Weiterhin gibt es immer mehr wissenschaftliche Studien, die Melatonin einen möglichen Nutzen im Kampf gegen Krebs, der Behandlung von Tinitus und als anästhesiologisches-Adjuvanz voraussagen.

Die richtige Dosis Melatonin

Wie viel Melatonin ist eigentlich in Nahrungsergänzungsmitteln und Pharmaka erlaubt und wie genau wirken sich verschieden hohe Dosen auf den Körper aus?

Melatonin in Nahrungsergänzungsmitteln

In Europa ist der Vertrieb von Nahrungsergänzungsmitteln mit bis zu fünf Milligramm Melatonin erlaubt. In den USA werden seit Jahren Nahrungsergänzungsmittel mit weit höherem Melatonin-Gehalt vertrieben. Die europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit sieht es einer wissenschaftlichen Stellungnahme nach als erwiesen an, dass ab einem Milligramm Melatonin eine Wirkung auftritt, die Einschlafzeit verkürzt werden kann und den Symptomen eines Jetlags entgegengewirkt werden kann.

Melatonin in Pharmaka

Das einzige auf dem deutschen Markt erhältliche, verschreibungspflichtige Medikament heißt Circadin und enthält zwei Milligramm retardiertes Melatonin. Retardiert bedeutet, dass das Melatonin langsamer, über einen längeren Zeitraum in den Körperkreislauf abgegeben wird und daher die Gefahr zu viel einzunehmen deutlich größer ist, da es nicht wie normales Melatonin schnell ausgeschieden wird.  Es ist zur Behandlung der Insomnie zugelassen und soll den natürlichen Biorhythmus wiederherstellen.

Pharmakokinetik von Melatonin

Die Bioverfügbarkeit, also der Prozentsatz des Medikaments, der bei oraler Aufnahme wirklich im Blutkreislauf landet, schwankt zwischen 10- und 56 %.Eine Metabolisierung (Verstoffwechslung) von Melatonin erfolgt durch das Cytochrom P450-Enzym-System. Ein System, welches viele andere Stoffe metabolisiert. Der Melatonin-Spiegel im Körper erreicht nach etwa 60 Minuten ein dosisabhängiges Maximum und fällt dann innerhalb von drei Stunden wieder schnell ab. Durch diese sehr schnelle Metabolisierung von Melatonin tritt auch keine Überhangeffekt auf, das heißt, abends eingenommenes Melatonin macht am nächsten Morgen nicht mehr müde, da es bis dahin schon verarbeitet und ausgeschieden wurde.

Eliminiert wird Melatonin über die Nieren, belastet also nicht die Leber.

Wechselwirkungen und Nebenwirkungen

Wechselwirkungen meint die Wirkungen, welche Melatonin auf andere Pharmaka hat. Nebenwirkungen sind die direkten nicht erwünschten Wirkungen auf den Körper.

Wechselwirkungen von Melatonin

Melatonin wird in der Leber über das Cytochrome P450-System verstoffwechselt. Andere Medikamente, welche die Leberfunktion beeinflussen, können so also Einfluss auf die Metabolisierung Melatonins in der Leber nehmen und sollten vermieden werden. Auch die gleichzeitige Einnahme von Drogen, Alkohol oder anderer, den Schlaf beeinflussende Mittel, ist kontraindiziert.

Nebenwirkungen von Melatonin

Grundsätzlich treten bei sachgemäßer Anwendung von melatoninhaltigen Mitteln keine Nebenwirkungen auf. Eine gewisse Schläfrigkeit ist der gewünschte Effekt und der Grund, warum eine Teilnahme am Straßenverkehr nach der Einnahme nicht mehr empfohlen ist. Bei dauerhafter Einnahme verschreibungspflichtiger Medikamente, insbesondere Antidepressiva, Antiepileptika und Antikoagulantien, ist ein vorheriges Gespräch mit einem Arzt angebracht. Gleiches gilt für Frauen in der Schwangerschaft oder Stillzeit. Auch Kinder, sollten keine Mittel welche Melatonin enthalten ohne vorherige Absprache mit einem Arzt einnehmen.

Überdosierung von Melatonin

Kann man Melatonin überdosieren, wie hoch wäre eine solche Überdosis und was wären die Symptome?

Dosis

Generell ist Melatonin auch in sehr großen Mengen ungiftig und wird gut vertragen. Trotzdem sollten hohe Dosen (über einem Milligramm) vermieden werden, da der gewünschte Effekt bereits erwiesenermaßen ab einem Milligramm eintritt und höhere Dosen, sofern nicht vom Arzt verordnet, keine unmittelbare Potenzierung der positiven Effekte zur Folge haben und medizinischen Indikationsstellungen vorbehalten sein sollten. Auch die mehrmalige Einnahme von Melatonin über den Tag verteilt sollte vermieden werden, da ein erhöhter Melatonin-Spiegel nur zur Nachtruhe erwünscht ist und einer Einnahme am Tag zu Tagesmüdigkeit führen kann. Retardiertes Melatonin ist nur auf Rezept erhältlich und sollte mit mehr Vorsicht eingenommen werden als normales Melatonin in Nahrungsergänzungsmitteln. Durch die langsame Abgabe in den Körperkreislauf kann schnell ein Überhangeffekt auftreten, da sich mehr Melatonin im Körper anreichert als bei der Einnahme normalen Melatonins.

Symptome

Bei mehrmaliger Einnahme über den Tag verteilt kann eine andauernde Müdigkeit, Abgeschlagenheit und Konzentrationsschwäche auftreten. Die Einnahme am Morgen, entgegen aller Empfehlungen also, kann zu den selbigen Symptomen führen. Die Einnahme einer hohen Dosis der retardierten Form von Melatonin kann zu einem sogenannten Überhangeffekt führen. Das Einschlafen gelingt also gut, Müdigkeit und Unkonzentriertheit kommen aber mit in den neuen Tag und haben somit negative Auswirkungen. Einzelne Fallberichte von Ärzten, schildern Patienten, die nach der Einnahme von hohen Dosen Melatonins folgende Symptome aufwiesen:

  • Benommenheit
  • Kopfschmerzen
  • Reizbarkeit
  • Müdigkeit am Morgen
Wobei diese Symptome vereinzelte Fälle darstellen und keine klinischen Studien zu dem Thema existieren.

Ist Melatonin gefährlich?

Melatonin ist ein ungiftiger Stoff und bei sachgemäßer Anwendung ist die Gefahr einer Überdosierung als sehr gering zu bewerten. Anders als bei der Einnahme von zum Beispiel Schmerzmitteln, welche gefährliche Nebenwirkungen zur Folge haben kann, sind auch bei der Einnahme von Melatonin keine direkten toxischen Wirkungen zu erwarten. Sicher scheint, die in Deutschland erhältlichen Mengen sind unbedenklich und können zur Besserung der Symptome von Einschlafstörungen und Jetlag eingenommen werden.

Fragen und Fakten zur Melatonin-Überdosierung

Natürlich sollte man Melatonin in Maßen einnehmen, es ist jedoch ungiftig und die Einnahme einer großen Menge hat keine akuten toxischen Reaktionen zur Folge.

Ab einer Dosis von einem Milligramm Melatonin ist mit einer erwiesenen positiven Wirkung auf die Verkürzung der Einschlafzeit und gegen die subjektiven Jetlag-Symptome zu rechnen. Höhere und mehrmalige Dosen sollten vermieden werden.

Normalerweise hat Melatonin keine Nebenwirkungen. Nach der Einnahme kann eine gewisse, jedoch auch erwünschte, Müdigkeit auftreten. Daher sollte keine Teilnahme am Straßenverkehr mehr erfolgen. Bei gleichzeitiger Einnahme anderer Medikamente, sollte zur Beratung ein Arzt aufgesucht werden.

Bei der Einnahme einer sehr hohen Dosis von Melatonin können folgende Symptome auftreten: Müdigkeit am Morgen, Benommenheit, Reizbarkeit, Kopfschmerzen.

Ja, Melatonin kommt natürlich im Körper vor und regelt den Schlaf-Wach-Rhythmus.

Quellen:

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